Diskriminierungssensible Kulturarbeit im Kontext von Flucht und Asyl

Dokumentation des Einführungsworkshops im Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main am 17. Juni 2019

Kunst- und Kulturprojekte im Kontext von Flucht und Asyl müssen alle Akteur*innen gleichberechtigt einbinden
Foto: ba Wolfenbüttel / Lukas Bergmann

Im Rahmen des Kompetenzverbunds Kulturelle Integration und Wissenstransfer KIWit bietet die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel Fortbildungen in Kooperation mit Kultureinrichtungen an.

Der Workshop am 17. Juni 2019 in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main widmete sich Fragen wie: Sind Geflüchtete eine Zielgruppe? Welche Motivation haben Kunstschaffende oder Kulturinstitutionen, um mit Geflüchteten zu arbeiten? Welche Implikationen (und möglicherweise auch diskriminierenden Effekte) hat es, wenn Fluchterfahrungen künstlerische Produktion anregen (sollen)? Welche Perspektiven erhalten einen Raum und welche nicht? Was ist der Unterschied zwischen Präsentation und Repräsentation?

Die Veranstaltung wurde geleitet von Marwa Al-Radwany und Christel Gbaguidi. Marwa Al-Radwany arbeitet als freiberufliche Teamerin für kulturelle und politische Bildung und als Projektreferentin bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V., Christel Gbaguidi ist Theaterpädagoge und Theaterregisseur sowie Gründer und Geschäftsführer von CHRISTEL GBAGUIDI-ArtFrika Consulting (CGAC).

Ziele der Veranstaltung:

  • Sich (selbst-)kritisch mit der eigenen künstlerischen und kulturellen Praxis, bewussten oder unbewussten Vorannahmen, Haltungen und Motivationen auseinanderzusetzen
  • Impulse für einen Perspektivwechsel zu erhalten
  • Empfehlungen für eine reflektierte, machtkritische und diskriminierungssensible Auseinandersetzung mit Themen und Personen im Kontext Asyl zu erarbeiten

Empfehlungen für eine diskriminierungssensible Praxis

  • Warum und für wen soll dieses Vorhaben umgesetzt werden? Kennen alle Teilnehmenden diese Intention?
  • Wer ist an der Konzeption beteiligt?
  • Wessen Perspektiven werden einbezogen – und wessen nicht?
  • Wenn Geflüchtete beteiligt sind: Welche Rolle nehmen sie ein und dürfen sie gleichberechtigt über Form und Inhalte mitbestimmen?
  • Dürfen Individuen sich als solche künstlerisch ausdrücken oder repräsentieren sie nur eine Gruppe? Wer bestimmt das?
  • Werden Geflüchtete angemessen entlohnt?
  • Gibt es Übersetzungsleistungen und Zeit für mehrsprachige Kommunikation im Projekt?
  • Werden Fluchtthemen lediglich als „Kunststoff“ instrumentalisiert, ohne die Interessen und Bedürfnisse der Geflüchteten selbst zu hören?
  • Geht es um ein gegenseitiges Voneinander-Lernen und Miteinander-Kunst-Schaffen?
  • Werden Geflüchtete als Zielgruppe oder Adressat*innen deklariert? Wie und nach welchen Kriterien werden diese Adressat*innen differenziert? Sind diese Kriterien sinnvoll?

Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass bei Kunst- und Kulturprojekten im Kontext von Flucht und Asyl oftmals nicht alle Akteur*innen gleichberechtigt eingebunden werden. Die Teilnehmenden setzten sich mit den Merkmalen struktureller Diskriminierung auseinander und hinterfragten daraufhin ihre eigenen Handlungsweisen. Die abschließenden Empfehlungen für eine diskriminierungssensible Praxis können Multiplikator*innen als Leitfaden für eine Kulturarbeit, die Augenhöhe anstrebt, dienen. Erst mit einem Umdenken bei Personalpolitik und Förderrichtlinien wird eine diskriminierungssensible Arbeitskultur in allen Bereichen einer Institution ermöglicht. Durch Fortbildungen auf der Führungsebene kann es gelingen, diesen Prozess auf effektive Weise in den Kulturinstitutionen anzustoßen.

Download (PDF: 393 KB) Diskriminierungssensible Kulturarbeit im Kontext von Flucht und Asyl Dokumentation des Einführungsworkshops im Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main am 17. Juni 2019 | Leitung: Marwa Al-Radwany und Christel Gbaguidi