Kreativ, konkret, direkt: Öffnungsprozesse gestalten mit der g3-Methode

Poster im Vordergrund mit Aufschrift "Was divers macht!"
Foto: Lukas Bergmann

Dokumentation des Workshops „Was divers macht: Herausforderungen und Glücksmomente – Antidiskriminierung und Diversität im Kulturbereich“ im Rahmen der Deutschen Antidiskriminierungstage im HKW am 2. Dezember 2019

Was können Kultureinrichtungen konkret anbieten, um für eine diverse Stadtgesellschaft interessant zu sein? Welche Möglichkeiten haben Kulturinstitutionen, um Zugänge zu schaffen? Diese beiden Fragestellungen waren der Ausgangspunkt des Workshops „Was divers macht: Herausforderungen und Glücksmomente – Antidiskriminierung und Diversität im Kulturbereich“, den die KIWit-Projektpartner*innen im Kontext der Deutschen Antidiskriminierungstage im Dezember 2019 angeboten haben.

Frau mit Brille bei einer Konferenz, steht und spricht in ein Mikrofon
Silja Korn | Foto:Lukas Bergmann

Die Grundlage des Workshops, an dem knapp 30 Personen teilnahmen, war die g3-Methode, die von der Stiftung Genshagen im Rahmen von fünf KIWit-Denkwerkstätten Kultur+Wirtschaft am Jungen Schauspiel Düsseldorf entwickelt worden war. Inspiriert vom Design Thinking basiert die g3-Methode auf sechs Prozessleitfäden für die Arbeit in heterogenen Gruppen, die zur praktischen Anwendung einladen. Die g3-Methode ist ein konkreter Vorschlag, wie Öffnung und Teilhabe unmittelbar angegangen werden können.

Nach der Aufteilung in Kleingruppen wurde einer der Prozessleitfäden angewandt, der mit sportlichen Zeitvorgaben direkt in die kollektive Lösungsentwicklung führte. Kurze konstruktive Feedbackrunden halfen, die Vielzahl unterschiedlicher Ideen auf den Punkt zu bringen und neue Ansätze zu entwickeln – so zum Beispiel zur Frage, wie blinde Menschen oder Menschen mit Sehbehinderung Angebote in Kultureinrichtungen wahrnehmen können: „Geschultes Personal stellt eine Option dar, um sie im Museum zu empfangen und sie durch die Ausstellung zu begleiten“, sagte Silja Korn, Kulturvermittlerin bei <Platz da!> und eine der Impulsgeber*innen des Workshops.

„Wichtig ist, dass das Personal entsprechend sensibilisiert und ausgebildet ist.“ Darüberhinaus könnten auch visuelle oder taktile Leitsysteme oder digitale Apps das selbstbestimmte Agieren im Museum ermöglichen. „Und selbst Roboter könnten diese Aufgabe übernehmen, sofern diese die entsprechenden Fähigkeiten besitzen“, so Korn.

Mehrere Menschen sitzen an einem Tisch und diskutieren, reden
Foto: Lukas Bergmann

Selma Maglić, KIWit-Trainee bei Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, gehörte neben Silja Korn und Fatima Çalışkan (Freie Kuratorin für Kunst- und Kulturvermittlung) zu den Impulsgeberinnen des Workshops: „Der Workshop hat mir sehr viel Freude bereitet, da sich die Methode als ein gutes schöpferisches Instrument erwies, um gemeinsam auf kreative Ideen und Problemlösungen zu kommen. Kulturelle Institutionen verlieren sich gerne mal in der Diskussion und vergessen die eigentliche Problemstellung. Daher fand ich es sehr erfrischend, nicht um den heißen Brei zu reden, sondern in der Kürze der Zeit mit Ideen jonglieren zu dürfen.“

Der Workshop wurde moderiert von Mechthild N. Scott (Systemischer Business Coach, Diversity Trainer*in, Referent*in diversitätsorientierte Organisationsentwicklung, Regionale Netzwerkbegleitung samo.fa) und Moritz von Rappard (KIWit Projektleitung Kultur+Wirtschaft bei der Stiftung Genshagen), der die Teilnehmenden bei der Arbeit mit der g3-Methode begleitete.

Stift, Papier und Skizzen liegen auf einem Tisch.
Foto: Lukas Bergmann

Weitere Informationen zur g3-Methode und sämtliche Prozessleitfäden sind online frei zugänglich und sollen Kulturinstitutionen befähigen als auch motivieren, sich unter Einbeziehung heterogener Gruppen kreativ, niedrigschwellig und ohne großen Aufwand der Frage nach einer diversitätsorientierten Weiterentwicklung zu stellen. Dabei sollen direkt umsetzbare Lösungen im Vordergrund stehen.

Was sind die Ergebnisse?

  • Von der Erweiterung von Kultureinrichtungen zu Experimentierorten, in denen Besucher*innen selbst entdecken, gestalten und Neues lernen können bis zur Schaffung einer mobilen, barrierefreien Bühne bieten sich vielfältigste Formate an, um Teilhabe und selbstbestimmtes Erleben in Kultureinrichtungen zu ermöglichen.
  • Gemeinsames Arbeiten an der Herausforderung der diversitätsorientierten Weiterentwicklung von Kulturinstitutionen kann Spaß machen und schneller zu Handlungsmöglichkeiten führen, als gedacht.
  • Die g3-Methode ist ein praktikables Instrument, das den eigenen Bedürfnissen und Vorhaben angepasst werden kann.

Wie geht es weiter?

  • Nachdem die g3-Methode Mitte Dezember 2019 online veröffentlicht wurde und alle Leitfäden auf den Websites www.stiftung-genshagen.de und www.kiwit.de kostenlos heruntergeladen werden können, wird spätestens Ende Januar auch eine Print-Version erhältlich sein.
  • Darüber hinaus werden insgesamt drei kostenlose Train-the-Trainer-Workshops zum Kennenlernen der Methode angeboten. Termine:
    • Bochum:
      Freitag, 28.02., 12:00 Uhr - Samstag, 29.02.2020, 15:00 Uhr
      Anneliese Brost Musikforum Ruhr/Bochumer Symphoniker
    • Magdeburg:
      Freitag, 20.03., 12:00 Uhr - Samstag, 21.03.2020, 15:00 Uhr
      Theater Magdeburg/Schauspielhaus
    • Mannheim:
      Freitag, 17.04., 12:00 Uhr - Samstag, 18.04.2020, 15:00 Uhr
      Kunsthalle Mannheim
  • Schließlich soll die Methode auch auf Konferenzen und Tagungen erlebbar gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Die nächste Möglichkeit dazu bietet die Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft vom 6. - 9. Februar 2020 in Gent, Belgien.

Weitere Infos: